Die Provinz Lüttich erinnert sich an

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Lebe den Krieg

Lebe den Krieg
partager sur Google+ partager sur Twitter partager sur Facebook   Publié le 25-06-2020

REMEMBER! Kriegsblatt Nr. 4

Die Welt der Konzentrationslager: Stacheldraht und Menschen, die wie Tiere behandelt werden...

Ich war im Stacheldraht eines Forts gefangen, wo ich die Wachen gehen und flüstern hören konnte.
(Jean Genet)

Seit dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) wird Stacheldraht in den Grabenkriegen eingesetzt. Er wird widerstandsfähiger, unpassierbarer und effektiver. Dieses vertraute Objekt wird zum Symbol der Unterdrückung, der Grenze, der Trennung. Als entscheidendes Element in der täglichen Schlacht bleibt er ein tief verankerter Bestandteil in der Erinnerung der Überlebenden.

Seine Übernahme und Allgegenwart in Gefängnissen und Konzentrationslagern machen ihn zu einem universellen Symbol. Er macht das Lager aus, und das Lager ist Stacheldraht - Instrument der Umzäunung und der totalitären Organisation. Mit Stacheldraht fängt das grausamste Unternehmen der Entmenschlichung an, das je erschaffen wurde, und mit Stacheldraht endet es: der Völkermord.

Als Symbol defensiver Freiheitsbezwingung isoliert der Stacheldraht die Menschen.

Mit dem Stacheldraht entsteht ein neues „Werkzeug“ der Materialverwaltung und der Raumpolitik. Es ist eine Dynamik von gewaltsamem Ausschluss. Der Stacheldraht radikalisiert die Logik der räumlichen Sperrung und der Überwachung als Zeichen der Unterdrückung und der Trennung. Nun ist auf den Menschen anwendbar, was sonst nur für Tierherden galt.

La neige s'était mise à tomber au début de l'appel du soir. Elle avait effacé les traces de pas, arrondi les toitures et incliné sous son fardeau, comme des drapeaux qui saluent, les branches des hauts sapins, au-delà de la clôture électrifiée où des lampes nues piquaient des points jaunes sur le décor laiteux et désert, écrasé sous le ciel sombre et vide. (Pierre Julitte, L'Arbre de Goethe)

Bahnen wir uns voller Respekt, Demut und Würde einen Weg, der den Stacheldraht durchtrennt. Lernen wir durch Entdecken, Besinnen und Lesen, durch die Erfahrungsberichte und Geschichten der Gefangenen, den Horror des Konzentrationslagers kennen.

Ist das ein Mensch?

Ihr, die ihr gesichert lebet
in behaglicher Wohnung;
Ihr, die ihr abends beim Heimkehren
Warme Speisen findet und vertraute Gesichter:
Denket, ob dies ein Mann sei,
Der schuftet im Schlamm,
Der den Frieden nicht kennt,
Der kämpft um ein halbes Brot,
Der stirbt auf ein Ja oder Nein.
Denket, ob dies eine Frau sei,
Die kein Haar mehr hat und keinen Namen,
Die zum Erinnern keine Kraft mehr hat,
Leer die Augen und kalt ihr Schoß
Wie im Winter die Kröte.
Denket, dass solches gewesen.
Es sollen sein diese Worte in eurem Herzen.
Ihr sollt über sie sinnen, wenn ihr sitzet in einem Hause, wenn ihr gehet auf euren Wegen, Wenn ihr euch niederlegt und wenn ihr aufsteht;
Ihr sollt sie einschärfen euern Kindern.
Oder eure Wohnstatt soll zerbrechen,
Krankheit soll euch erniedrigen,
Eure Kinder sollen das Antlitz von euch wenden.

Primo Levi.

Der Ursprung der Konzentrationslager

Im Laufe des 19. Jahrhunderts ist der Begriff Konzentrationslager zum ersten Mal aufgetaucht. Die Spanier errichteten die ersten Lager in Kuba 1896 und die Briten 1900 während des Burenkriegs in Südafrika. Ziel war es, die zivile Gesellschaft von den Soldaten zu trennen und sie so davon abzuhalten, hinter dem Stacheldraht Hilfe zu leisten. Diese Lager sind noch keine Elemente von einem organisierten System oder einem Weltbild, wie es die Konzentrationslager waren. Auch während des Ersten Weltkriegs sperren die Länder im Krieg die Staatsangehörigen feindlicher Nationen ein. Kurz gefasst: In seiner ersten Version isoliert das Lager verdächtige oder als gefährlich geltende Individuen im Kriegskontext.

In der Sowjetunion wird mit der Eröffnung eines Lagers auf den Solovski-Inseln 1923 das Konzentrationslager zum dauerhaften Instrument des Terrors. Wie im Nazi-Deutschland ging es nicht mehr nur darum, tatsächliche oder angebliche Staatsfeinde zu überwachen, zu bestrafen oder zu rehabilitieren, sondern auch darum, die gesamte Gesellschaft in Angst vor Gefangenschaft leben zu lassen.

Seit der Machtübernahme Hitlers in Deutschland und anschließend in den eroberten Ländern wird ein enges Netzwerk von Konzentrationslagern errichtet. Anfangs war dieses System noch improvisiert und unstrukturiert - noch war dessen mögliche Entwicklung nicht absehbar. Die Lager wurden mit dem Ziel geschaffen, politische Gefangene aufzunehmen.

Die Gefangenen wurden nicht auf eine festgelegte Dauer eingesperrt. Es gab auch keine interne Regelung. Verurteilte und Unschuldige wurden eingesperrt, aus jeglicher Staatsstruktur ausgegrenzt und der SS überlassen - ohne Aussicht auf Befreiung. Kriminelle, Gegner des Nazi-Regimes und anschließend das Judenpack, Slaven, Asoziale... niemand sollte das Konzentrationslager lebend verlassen.

Es ist ebenfalls zu bemerken, dass die ersten Lager nicht für Juden bestimmt waren. Diese werden als Untermenschen bezeichnet und sind die Rehabilitation nicht wert... Selbst kriminelle Deutsche durften nicht durch den Kontakt mit Juden beschmutzt werden. Man durfte irregeführte und reformgesinnte Deutsche nicht mit Juden vermischen, die ja so weit vom Arier entfernt waren, wie das Tier vom Menschen.

Ein unauslöschbarer Einschnitt...

Die Entdeckung der Realität der nationalsozialistischen Konzentrationslager und der Endlösung sollte die Freude über das Ende des Krieges für die befreiten Populationen grausam verdunkeln. Die Freude blieb für die meisten Populationen im Westens noch lange Monate nach dem Ende der Besatzung zu erwarten. Die brutalen Enthüllungen, die durch die Rückkehr der Deportierten oder durch die schrecklichen Entdeckungen in den nationalsozialistischen Lagern vor Ort ausgelöst wurden, prägen 75 Jahre später nicht nur Leib und Seele der Überlebenden, sondern auch das universelle Bewusstsein. Das Entsetzen und der Schock der Entdeckungen haben jedoch keineswegs alle bestehenden Konzentrationslagersysteme unterdrückt. Man hatte geglaubt, dass der durch die Aufdeckung ausgelöste Schrecken als Gegengift für die Zukunft dienen würde, da es in der Geschichte der Völker nichts vergleichbares gegeben hatte und einem selbst die Worte fehlten, diese Realität auszudrücken.

Am Ende des Films Nacht und Nebel illustrierte Jean Cayrol die letzten Bilder von Auschwitz mit Worten voller Pessimismus, die wir bei der Rückkehr der Deportierten 1945 vielleicht als unangebracht empfinden könnten. Wir die vorgeben zu glauben, dass all dies aus einer einzigen Zeit und einem einzigen Land stammt, und die nicht hören, dass endlos geschrien wird. Dieser Text wurde 1954 geschrieben, noch bevor das Wort Goulag ein düsterer internationaler Begriff wurde und nicht nur das Geheimnis einer „wissenden“ Minderheit.

Das Robert-Wörterbuch definiert Konzentrationslager wie folgt: Ein Ort, an dem in Kriegszeiten oder bei politischen Unruhen unter der Überwachung von Militär- oder Polizeibehörden Verdächtige, Ausländer oder feindliche Staatsangehörige zusammengeführt werden. Diese Definition ist unvollständig und irreführend, da sie das führen solcher Lager in Zeiten von Krieg oder politischen Unruhen zu entschuldigen scheint. Das 20. Jahrhundert, insbesondere seit dem Zweiten Weltkrieg, normalisiert das System Konzentrationslager. Lager werden nun als Präventivmaßnahme einführt, ohne sich auf die Gefahren des Krieges oder eines Umsturzes zu berufen: Verräter müssen außer Kraft gesetzt werden, bevor sie verraten.

Im Blickpunkt: Paul Brusson, Widerstandskämpfer, Deportierter und wichtiger Zeitzeuge...

Zeitzeuge .Am Ende des französischen Films Nacht und Nebel (Nuit et brouillard) betonten Alain Resnais und Jean Cayrol, vor dem Hintergrund eines der zerstörten Krematorien in Birkenau: Und da sind wir, die wir aufrichtig auf diese Ruinen schauen, als ob das alte KZ-Monster unter der Asche gestorben wäre, wir, die wir vorgeben, vor diesem schwindenden Bild wieder Hoffnung zu schöpfen, als ob wir von der KZ-Pest geheilt wären, wir, die wir vorgeben zu glauben, dass all dies aus einer einzigen Zeit und einem einzigen Land stammt, und die nicht daran denken, uns umzusehen, und die nicht hören, dass endlos geschrien wird.

Sein ganzes Leben lang hat Paul Brusson (1921-2011), ein Überlebender der nationalsozialistischen Lager, überliefert, sensibilisiert und zum Nachdenken angeregt. In De mémoire vive schrieb er: Das Wiederaufleben verschiedener Faschismen, das Voranschreiten von einem Rechtsextremismus, der oft nostalgisch zum Nationalsozialismus eingestellt ist und die häufige Verharmlosung des Schreckens zeigen uns, dass alle Zeugnisse, die uns daran erinnern können, wohin die Verachtung der Unterschiede, der Hass auf den anderen und die Leugnung des Rechts geführt haben, mehr denn je notwendig sind.

Da er schon vor dem Krieg antirexistisch war, konnte er während der deutschen Besatzung nur Widerstandskämpfer werden. Während der Dienste, die er im Namen der Bewegung Solidarité des Front de l'Indépendance leistet, ist er nicht diskret genug und wird am Vorabend seines 21. Geburtstages von der Gestapo verhaftet. Drei Jahre Haft als NN (Nacht und Nebel) warten auf ihn: die Festung Huy, Breendonk, Mauthausen und sein Außenlager Gusen (Österreich), Natzweiler-Struthof (Elsass) und schließlich Dachau-Allach (Bayern). Er gilt als gefährlich. Er wurde am 30. April 1945 von amerikanischen Truppen befreit und ist einer der 15 Überlebenden des Konvois vom 8. Mai 1942.

Bei seiner Rückkehr beginnt er sofort neue Kämpfe: einen für die Anerkennung eines Status innerhalb der Confédération nationale des Prisonniers Politiques et Ayants Droits de Belgique; und anschließend einen Kampf gegen das Vergessen. Nach der wiedergewonnenen Freiheit weigert er sich, die schmerzliche Vergangenheit auszulöschen, die niemand zu erwähnen wagt. Zu Beginn der 1950er Jahre lädt er Kriegswitwen und ihre Kinder zu einer Gedenkreise nach Mauthausen ein. Nach seiner Pensionierung führt er Studenten und Professoren in Konzentrationslager wie Breendonck, Dachau, Buchenwald, Mauthausen... und gibt die Erinnerung an die erlittenen Qualen weiter. Bis zu seinem letzten Atemzug wird er diese Reise der Erinnerung jährlich erneuern, gegen das Vergessen und gegen die Wiedergeburt des Rechtsextremismus.

Eine Geschichte in der Geschichte...

18 Monate im Leben eines Widerstandskämpfers, politischen Gefangenen und Deportierten...

1943. Hubert Bechet ist Teil eines Widerstandsnetzwerks im Lütticher Condroz. Er hat bereits englische Fallschirmjäger beherbergt und erstellt gefälschte Personalausweise für Juden, die von den Deutschen aktiv gesucht werden. Zudem kümmert er sich um den Geheimdienst und übermittelt vertrauliche und geheime Informationen...

8. Januar 1944. Die Gestapo steht vor der Tür des Familienhauses Clavier. Es ist eine dunkle Winternacht. Hubert wurde verraten. Die SS gibt ihm nur wenige Minuten Zeit, um einige persönliche Habseligkeiten mitzunehmen und seine Frau Jeanne, eine Geburtshelferin, und seine kleine Jeanine, die noch keine zwei Jahre alt ist, zu umarmen. Dies ist der Anfang eines sehr langen Leidensweges, der sich über achtzehn Monate erstrecken wird...

9. Januar 1944. Er sitzt im Kerker, in einer finsteren Zelle in der Citadelle von Huy. Er wird verhört, gefoltert, geschlagen, gedemütigt. Aber er sagt nichts. Er wird nie etwas sagen...

1. bis 7. März 1944. Er ist fast zwei Monate inhaftiert als er endlich die Gelegenheit bekommt, seiner Frau heimliche Briefe zu schreiben. Er schreibt mit schwarzem Bleistift auf ein Stück Papier und kritzelt ein paar Worte auf Seitenstücke der Nazi-Zeitung Signal. Dank des organisierten Widerstandsnetzes hat die Botschaft ihr Ziel erreicht. Sein Text ist bewegend. Entdecken wir ihn.

Meine liebe Jeanne,

Seit ich im Gefängnis bin, habe ich lange und intensiv darüber nachgedacht, was du mir früher oft gesagt hast. Nun stelle ich fest, dass du oft Recht hattest. Blicken wir nochmal auf den Tag vor meiner Verhaftung, auf die Nacht, in der du unbedingt wolltest, dass ich es vollende... Du wolltest dich nicht vorher schlafen legen... Ich habe zum Glück auf dich gehört. Ich habe den Entschluss gefasst, in Zukunft noch besser auf dich zu hören, meine Liebe. Du hattest an diesem Tag eine Vorahnung dessen, was mit mir geschehen würde. Welch ein Unglück, nicht wahr, Jeanne! Ich leide unter unserer langen Trennung. Ich stelle mir so viele Fragen. Was sagt unsere kleine Tochter, was macht sie? Sagt sie noch „p‘tit papa“, arme Kleine, wie sehr möchte ich euch alle umarmen.

Ich denke, du machst dir dein Bild und du hoffst auf meine baldige Rückkehr. Meine Mutter sehe ich vor mir, sie weint oft, Papa tröstet sich, glaube ich.

Ich weiß, dass du jetzt eine Menge Arbeit hast, du hast deine Frauen, du hast meine Versicherungen, du hast die Tiere. Hättest du die Kleine in Poulseur untergebracht, hättest du die Schweine verkauft? Ich hatte dir gesagt, dass du nach Poulseur ziehen sollst, wenn es dir zu lange wird, aber zu diesem Zeitpunkt dachte ich nicht an deine Frauen, ich war mit den Gedanken woanders.

Nach genauerer Überlegung möchte ich, dass du Clavier zurücklässt und mit all unseren Sachen nach Poulseur ziehst, dass du der Kleinen deine volle Andacht schenkst, dass du meine Mutter tröstest. Und, dann wärst du in der Familie, das Leben wäre für dich angenehmer.

Den 4. März,

Ich bin jedoch voller Hoffnung, ich glaube immer noch, dass es nicht mehr lange dauern wird. Ich habe das Verhör am 24. Februar hinter mich gebracht, ich warte auf das Urteil, aber ich glaube, es wird sich wieder zum Besten wenden und ich werde keine Monate Gefängnis bekommen. Ich bin guter Hoffnung für den 6. März, 2 Monate nach meiner Verhaftung.

Man kann hier nicht sagen, dass es schlecht ist, aber die Freiheit und die völlige Trennung von den Seinen beeinträchtigen die Laune in hohem Maße. Es ist ein eintöniges Leben im Gefängnis: morgens aufgestanden wartet man bis zum Ende des Tages auf eine Veränderung, die nie eintrifft. Am Abend sind es die langen Grübeleien, die Gedanken an diejenigen, die wir lieben und nicht mehr umsorgen können. Jeden Tag ist es dasselbe, und wir bewegen uns immer weiter in die Leere, die uns erwartet und die wir ausblenden.

Hier gibt es alle Gründe der Gefangenschaft, aber die überwiegende Mehrheit betrifft Waffen, Diebstahl, Spionage. Das sind die schwersten Fälle. Dann kommen die Widerstandskämpfer und die Bauern, die Widerstandskämpfer beschäftigt haben, die Fälscher von Ausweisen, alle diese Fälle werden mit der Zeit gerichtet. Daher sollte man es nicht eilig haben, seinen Fall vor Gericht kommen zu sehen.

Als Ablenkung haben wir den Spaziergang auf dem Hof, dennoch nicht jeden Tag. Wir bekommen alle vierzehn Tage ein Buch, jeden Tag die Légia, manchmal die Signal.

Hast du vielleicht Besuch von Goffin gehabt, der mit mir hier war? Aber ich las in der Zeitung, dass er am Sonntag, dem 20. Februar, bei einem Attentat gegen ihn ums Leben kam. Hoffentlich hast du mit ihm reden können, er hatte es mir versprochen, dass er nach Clavier gehen würde, er versprach mir sogar noch etwas Anderes, aber ob er sein Wort gehalten hat, bezweifle ich sehr.

Am Montag werde ich meinen Brief fortsetzen, aber in der Zwischenzeit schicke ich euch allen und vor allem unserem kleinen Mädchen heute meine zärtlichsten Küsse und meine stärkste Hoffnung, euch bald wiederzusehen.

Den 7. März,

Gestern war es 2 Monate her, dass ich festgenommen wurde, und ich hoffe, dass es nicht mehr so lange dauern wird. Es wird so eintönig, und ich habe Sehnsucht danach, euch alle wieder zu sehen. Unser kleines Kind, ich denke die ganze Zeit an es! Ich sehe euch beide zu Hause, an dem Tisch, an dem ich immer fehle. Welch ein Pech, hier zu sein! Wir hatten doch ein schönes Leben, wir waren glücklich, nicht wahr, Jeanne!

Achja, ich denke, dass es bald wiederkommen wird. Früher als wir denken, denn laut der Zeitung werden sich die Umstände wenden.

So, geliebte Jeanne, das ist, was ich zu sagen hatte, ich bin bei guter Gesundheit, ich habe zweimal im Monat Anrecht auf Pakete des Roten Kreuzes; das ist ein Privileg! Ich hoffe, dass dieser Brief euch alle finden wird, mit unserem Mädchen, bei guter Gesundheit. Das ist meine ist meine große Sorge, denn ich möchte euch alle bei guter Gesundheit vorfinden und unser Leben weiterführen, noch besser als früher. Ich glaube, ich habe die Erlaubnis, euch zu schreiben und eine Antwort zu erhalten, weil diese mit dem Papier und dem Bleistift eingehandelt wurden.

Nur Mut, meine Lieben, die ich so sehr liebe, ich werde bald zurückkehren, um euch alle zu umarmen und euch besser zu umsorgen...

Hubert.

23. Mai 1944. Obwohl er seit mehr als zwei Monaten hoffte, endlich seine Lieben zu finden, erfährt Hubert, dass er auf der Liste der Deportierten nach Buchenwald steht. Der Weg zur Hölle geht weiter, hat sogar gerade erst begonnen... Er gehört zum zweiten der vier großen Konvois, nach dem vom 8. Mai und vor denen vom 19. Juni und 10. August 1944.

Für jeden dieser Konvois kann man sagen, dass es sich um eine echte Ansammlung von Gegnern des Reiches handelte, die bereits in den verschiedenen Gefängnissen des Landes zusammengeführt wurden: Breendonck, Saint-Gilles, Zitadelle von Huy, usw.

In dem Buch Dora, 1943-1945, beschreiben Brigitte d'Hainaut und Christine Somerhausen mit Hilfe von bewegenden Zeugenaussagen die Hölle von Buchenwald und Dora-Mittelbau, ein Nebengebäude des KZ und eine unterirdische Todesfabrik.

Mit dieser Veröffentlichung soll dem Leben dieser Männer eine neue Sichtbarkeit gegeben werden, um sicherzustellen, dass das Opfer derer, die dort verblieben sind, niemals vergeblich ist, um die Erinnerung an jene wach zu halten, die dort für ihre Ideale gestorben sind, um das Leid all derer hervorzuheben, die in den Geheimdienstnetzwerken der Alliierten mit nackter Hand Waffen bekämpft haben oder in geheimen Organisationen Flucht, Presse oder gegenseitigen Hilfe geleistet haben. Dieser Haltung verdanken sie den Ehrentitel "Politischer Gefangener", den sie mit Stolz tragen.

Es war dringend notwendig, all diese Zeugnisse zu sammeln, denn viele derer, die diese dramatische Erfahrung gemacht haben, sind in den letzten Jahren leider verstorben. Es gibt keinen Ersatz für den Abschreckungswert ihrer Geschichten von Gefangenschaft, Gewalt und Schmerz. Es musste dem Verlust der Erinnerung und der Vergessenheit oder der Ignoranz der jüngeren Generation durch diese Erfahrungsberichte entgegen getreten werden um so immer wieder deutlich zu verkünden: Nie wieder!

Hubert Bechet ist einer dieser Zeitzeugen. Er starb am 21. September 1998 im Alter von fast 87 Jahren. Die wiedergefundenen Dokumente und Spuren ermöglichen es, eine Art Puzzle zu rekonstruieren, das mehr oder weniger dem von seinen Hunderten "Gefährten" in der Hölle der Konzentrationslager entspricht.

Die Gesamtzahl der Häftlinge, die das Konzentrationslager Dora-Mittelbau, ein Nebengebäude von Buchenwald, erlebt haben, wird auf etwa 60.000 geschätzt. Unter ihnen 2.184 Belgier, darunter Hubert.

1944 kamen die Belgier dort an; vier Gruppen wurden nach einigen Wochen Haft in Buchenwald dorthin verfrachtet. Sie waren Teil der vier bereits erwähnten Konvois. Bei ihrer Ankunft erhielt jeder Gefangene eine Nummer, die als Identifikation diente. Im Allgemeinen wurde den Deportierten eines selben Konvois Nummern einer gleichen Serie zugeteilt. So wurden die oben genannten Konvois in den Serien 48.000 und 49.000, 54.000, 60.000, 75.000 und 76.000 erfasst. Hubert trug die Zahl 54.657 (von den 688 Deportierten des Konvois vom 23. Mai).

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> Inhaltsverzeichnis

Lebe den Krieg
 Das Konzentrationslageruniversum
Lebe den Krieg
Bloemfontein, Zelte eines Internierungslagers
Lebe den Krieg: Paul Brusson
Paul Brusson
Paul Brusson
Lebe den Krieg
Lebe den Krieg
Jeanine, 2 Jahre alt, Tochter von Hubert
Jeanine um zwei, Mon Hubert Liebling, ...
Huberts Brief an Jeanne
Identifikationsmanschette