Die Provinz Lüttich erinnert sich an

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Tage der Befreiung

Tage der Befreiung
partager sur Google+ partager sur Twitter partager sur Facebook   Publié le 18-11-2019

Von Mons bis Esneux... - Ziel Lüttich - Tage der Befreiung für Lüttich - Befreiung und Sorgen - Massaker und Vergeltung - Oradour-sur-Glane, Hody und Forêt

Tage der Befreiung

Von Mons bis Esneux...

Am Abend des 3. September. Die drei Divisionen des von General Collins geführten VII. US-Korps (1. US-Armee, General Hodges unterstellt) werden an einer Front von Mons bis in den Süden von Charleroi eingesetzt. General Collins erhält allgemeine Anweisungen für den weiteren Vorstoß nach Osten, über Lüttich und Aachen, und ordnet die Errichtung eines Brückenkopfes am rechten Maasufer bei Dinant an.

Entgegen aller Erwartungen stößt die 9. Infanteriedivision, die für die Umsetzung dieses Plans verantwortlich war, auf verstärkten deutschen Widerstand entlang der Maas zwischen Givet und Namur. In einem ersten Versuch (seit der Seine), einen Wasserlauf zu verteidigen, gebieten die Deutschen dem Vormarsch bei Dinant Einhalt... Aufgrund der feindlichen Reaktion sind die Amerikaner nicht in der Lage, die eingerichteten Brückenköpfe zu verstärken und die für Kampffahrzeuge und Hilfsgüter notwendigen Brücken zu errichten.

3 september. Die 3. Panzerdivision und das 2. Infanterieregiment stehen in der Nähe von Mons, während sich das 9. Infanterieregiment in Philippeville befindet. Die Panzerdivision bleibt wegen Treibstoffmangels 24 Stunden lang stehen, nimmt aber 25.000 deutsche Gefangene. Nachdem neuer Treibstoff da ist, macht sich die Division am 4. September auf den Weg nach Namur. An den beiden Ufern der Sambre rücken die Panzer vor. Die Infanterie überquert die Maas an einer beschädigten Brücke und zerstreut die schwache deutsche Truppe, die Namur verteidigt. Drei Tage später überqueren die Panzer den Fluss auf einer Pontonbrücke. Nach einem weiteren Stillstand aufgrund von Treibstoffmangel rückt die Panzerdivision entlang der Maas vor und erreicht Huy am Abend des 6. September. Von hier aus wird die 3. Panzerdivision unter Führung von General Rose gesplittet, in ein Combat Command A (am linken Maasufer stationiert) und ein Reserve-Combat Command, das wiederum in drei Task Forces aufgeteilt wird. Das Combat Command B umgeht die Industrieregion Seraing und setzt seine Angriffe in Richtung Condroz fort. So durchquert die Task Force Lovelady die Gemeinden und Dörfer Yernée, Saint-Séverin, Rotheux, Neuville-en-Condroz, Plainevaux und erreicht Tilff am Abend des 7. September. Die zweite Task Force King wird nach Dinant entsandt, während die dritte Task Force in Richtung Nandrin und Limont vordringt. Esneux wird erst am 9. September erreicht.

6. September. Beim Anblick einer nicht identifizierten Panzerkolonne in der Gegend von Dinant ruft am Abend ein amerikanischer Kompanieführer aus: Entweder sind wir heute die glücklichsten Menschen in der US-Army, oder wir gehen vor die Hunde. Und sie waren glücklich ... Eine zur Verstärkung geschickte Panzerkolonne hatte es geschafft, den Fluss weiter nördlich zu überqueren und die deutsche Verteidigung rasch zu zerschlagen. Am 7. September nimmt die Infanterie morgens Dinant ein und beginnt am Nachmittag ihren Vorstoß gen Osten

Ziel Lüttich

Lüttich ist ein wichtiges strategisches Ziel für die Amerikaner. Für die 3. amerikanische Armee ist dieses Ziel zum Greifen nahe. Die Hauptoffensive entwickelt sich vom Hespengau aus über Wavre, Hannut und Waremme nach Ans. Hier sammeln sich amerikanische Panzer und Infanteristen auf einem riesigen Gelände zwischen dem Bahnhof und der Kohlemine Bonne Fortune. Am 8. September sieht man dort unzählige Panzer, Fahrzeuge und Zelte.

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Tage der Befreiung für Lüttich

In den ersten Septembertagen kommt das Wirtschaftsleben in Lüttich zum Erliegen. Geschäfte und Werkstätten sind geschlossen, die öffentlichen Verkehrsmittel stehen still. Der Fürstbischöfliche Palast ist, als Sitz der Kommandantur, verbarrikadiert. Deutsche Soldaten besetzen die Forts, die zuvor an den wichtigsten Lütticher Knotenpunkten errichtet worden waren, beispielsweise am Pont d'Avroy und an der Place du Théâtre. Das „Théâtre du Gymnase“ wird in eine Kaserne umgewandelt. Die Lütticher warten gespannt auf die neuesten Radionachrichten, denn die amerikanische Armee kommt immer näher.

Am Morgen des 6. September hört man hier und da Maschinengewehrfeuer und Explosionen. Auf das unheimliche Heulen der Warnsirenen folgt das Geräusch von fernen Luftangriffen. Am 7. September kommen die Kanonengeräusche näher; Tiefflieger donnern über die Stadt hinweg.
Die deutschen Truppen ziehen sich nach und nach aus der Stadt zurück. Die Forts der Innenstadt werden evakuiert. Zwei Panzer sind weiterhin in der Nähe des Theaters stationiert; leichte Panzerfahrzeuge durchstreifen die umliegenden Gebiete.

Um 13 Uhr ertönt eine laute Explosion. Zweifellos ist eine der Lütticher Brücken explodiert. Kurz darauf ereilt die anderen das gleiche Schicksal. Die Gaszufuhr wird unterbrochen. Kurz darauf gibt es keinen Strom mehr. Und dann fällt das Telefonnetz definitiv aus.
Am Morgen des 7. September befreien die Amerikaner Waremme. Kurz vor Mittag erreicht ein Aufklärungsfahrzeug Grâce-Berleur. In Awans-Bierset brechen Kämpfe aus. Auf der Kohlenhalde Corbeau hoch über Jemeppe haben die Deutschen eine mächtige Flugabwehrbasis errichtet, ausgestattet mit einem Dutzend Kanonen. Als die Amerikaner vorrücken, benutzten sie diese Basis wie eine Festung, um das Vordringen zu stoppen. Doch die GIs und ihre Panzer bringen die deutsche Batterie am Corbeau zum Schweigen.

Paul Godeaux berichtet von den letzten Tagen der deutschen Besatzung und der Befreiung: Seit Ende Juli, nach den Niederlagen von Avranches und Falaise, zieht sich die deutsche Armee zurück. Es handelt sich vorwiegend um Panzereinheiten, die nach dem Überqueren der 1940 von den Deutschen eingerichteten Pont du Commerce den Quai und die Rue de la Boverie entlang fahren - gegenüber dem Quai Orban, meinem Wohnsitz. Am 5. oder 6. September stoppt die Strömung. Es bleiben nur noch wenige Einheiten der Nachhut und die unvermeidlichen Nachzügler. Seit einigen Tagen kann man das Haus nicht mehr verlassen [...]. Am Abend des 7. September ändert sich das: intensive Artillerievorbereitung um Rocourt, Explosionen in der Stadt und an den Brücken und wahrscheinlich die Anschläge auf Sainte-Marguerite und den Cadran, und dann, gegen 22 Uhr, der Stromausfall.
In der Folge der Panzerschlacht von Rocourt erreichen die Amerikaner Sainte-Marguerite, wo sie erfahren, dass die Deutschen mit Sprengstoff beladene Panzer in die Luft sprengen, um ihr Vordringen zu verzögern. Drei kleine ferngesteuerte Panzer werden jeweils an einen der drei Hauptknotenpunkte des Stadtteils entsandt.

Die Sprengladungen, die sie enthalten, werden gezündet. So werden die Knotenpunkte Fontainebleau, Hocheporte und Le Cadran zerstört. Am Knotenpunkt Fontainebleau sind die Folgen besonders schrecklich. 87 Einwohner, die vor einer Bäckerei Schlange stehen, kommen zu Tode. In allen drei Fällen werden zahlreiche Gebäude zerstört. Insbesondere in Hocheporte breitet sich das Feuer rasch aus. Löschversuche werden durch die unterbrochene Wasserzufuhr zunichte gemacht. Die Verwüstungen sollen feindlichen Fahrzeugen die Durchfahrt erschweren, können aber das Vorrücken der US-Panzer nicht verhindern.

Die Deutschen besetzen weiterhin das linke Ufer und feuern regelmäßig, vor allem aus dem Bunker am Place d'Italie. Da alle Brücken vermint sind, erreicht die von Oberst Everett Boudinot angeführte Kolonne Lüttich erst am folgenden Tag, dem 8. September, über den Stadtteil Vennes, durch Tilff und Chênée. Die beiden amerikanischen Regimente haben Lüttich in die Zange genommen.
Ebenfalls am 8. September, um 4.30 Uhr morgens, ergeben sich deutsche Soldaten, die sich in Lüttich ins Fort Chartreuse geflüchtet hatten, beim US-Panzer vor dem Eingang.

Nachdem die letzten feindlichen Soldaten aus dem Stadtzentrum vertrieben worden sind, können die Bewohner ihre Häuser verlassen. Einige von ihnen können nun dem Bürgermeister Joseph Bologne zujubeln, der gerade sein Amt im Rathaus angetreten hat, während der diensttuende Gouverneur Joseph Leclercq Einzug in den Provinzpalast hält.

Am Morgen des 8. September bietet sich den Lüttichern am linken Ufer ein außergewöhnliches Schauspiel. Einheiten der 3. Panzerdivision Artikel herunterladen (PDF) verteilen sich im gesamten Stadtzentrum. Am Boulevard d'Avroy, gegenüber der Statue Karls des Großen, stehen Panzer, geschützt durch die Flugabwehr und das dichte Laub der Platanen. Die Besatzungen liegen neben ihren Panzern, um sich nach dieser langen Fahrt durch die Wallonie auszuruhen.

Auf dem Place Saint Lambert gibt es ein anderes Schauspiel. Unzählige Lütticher versammeln sich dort. In der Mitte des Platzes bleibt jedoch eine große Lücke frei. Die Deutschen, die immer noch am rechten Ufer kämpfen, können jederzeit in Richtung Rue Léopold feuern und den Place Saint-Lambert treffen.

Die militärischen Operationen gehen unvermindert weiter. Panzer-Konvois und Militärfahrzeuge aller Art patrouillieren entlang der Hauptstraßen in der feurigen Stadt.

Am Mittag des 8. September wird in Lüttich noch immer gekämpft. Das linke Maasufer ist zwar befreit, nicht aber das rechte; dort setzen sich die Truppen der Nachhut immer noch zur Wehr. Eine Gruppe Soldaten besetzt einen Bunker am Ufer der Maas, in der Verlängerung der Rue Grétry. Eine weitere Gruppe postiert sich an der Kirche Saint-Thomas und hält die Rue Léopold unter Beschuss. Andere deutsche Soldaten sind im großen Gebäude am Place d'Italie und in den Gebäuden am Quai Marcellis verschanzt.

Gegen 17 Uhr wird das rechte Ufer von den Amerikanern befreit, nachdem eine Batterie das zur Verteidigung der Pont Neuf errichtete Fort in der Achse der Rue Grétry zerstört hatte. Die Befreiungsarmee und ein Team der Front de l'Indépendance vertreiben die Deutschen vom Place Delcour und aus Bressoux.
Weiter flussaufwärts stoßen Sherman-Panzer aus dem Ourthe-Tal auf den Quai des Ardennes und lösen einen Straßenkampf aus, am Knotenpunkt Rue de Fétinne/Rue des Vennes. Die amerikanische Panzerkolonne rückt vor, am Quai Mativa entlang hin zum Jardin d‘Acclimatation.

Nachdem beide Ufer der Maas befreit sind, errichtet die US-Armee eine doppelte Pontonbrücke gegenüber dem Parc de la Boverie. So werden die für die Fortsetzung der Militäroperationen notwendigen Vorräte in Richtung Aachen gebracht.
Les deux rives de la Meuse étant libérées, l'armée américaine s'empresse alors d'établir un double pont de bateaux en face du parc de la Boverie. C'est ainsi que sont acheminés les approvisionnements nécessaires à la poursuite des opérations militaires en direction d'Aix-la-Chapelle.

Befreiung und Sorgen

Lachen, tanzen, die Amis feiern, auf sie trinken, sie umarmen, Autogramme von ihnen erhalten - all das ist völlig legitim. Doch im Angesicht der grausamen Realität tritt die Freude in den Hintergrund. Und morgen heißt es arbeiten, wieder aufbauen, kämpfen und uns ernsthaften Problemen stellen. (Georges Rem, La Wallonie, 11. September 1944)

Überall die gleichen Szenen der Begeisterung. Fahnen wehen. Fahrzeuge werden gestürmt. Auf den Straßen wird getanzt. Nie ist so viel fotografiert worden. Die Befreier werden bejubelt. Cigarettes for papa and chocolate for mama … und Kaugummi und Coca-Cola für die Kinder! Die Frauen entdecken Nylonstrümpfe, Milchpulver und Corned Beef in Büchsen. Das Image des GI (so benannt nach den Initialen für Government Issue, auf seinem Rucksack) ist doppelt: Er ist sowohl Freiheitskämpfer als auch Überbringer der Güter eines Amerika, das durch die Vielfalt und den Reichtum seiner Ressourcen im Dienste des Krieges und des Wohlbefindens seiner Soldaten fasziniert.
Die freudigen Momente dieser Septembertage weichen jedoch bald den Sorgen ... Die Nahrungsmittelknappheit hält an. Die wirtschaftliche Situation ist nicht berauschend. Die Männer fehlen überall Es herrscht politische Unsicherheit. Ein leidenschaftlich geprägtes Klima begleitet die Entnazifizierung. Nur drei Wochen nach der Befreiung der ersten belgischen Stadt kommt schon die Enttäuschung.

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Massaker und Vergeltung - Oradour-sur-Glane, Hody und Forêt

In den Tagen nach der Landung der Alliierten ergreifen die Deutschen - insbesondere die SS-Division „Das Reich“, die immer wieder gegen den französischen Widerstand kämpft - Vergeltungsmaßnahmen gegen die Bevölkerung. Am 9. Juni werden in Tulle im Südwesten Frankreichs 100 Zivilisten ermordet. Am Folgetag kommt es in Oradour-sur-Glane zu einem Drama, das dem kleinen Dorf zu trauriger Berühmtheit verhilft. Alle 642 Einwohner fallen einem Massaker zum Opfer. Die Männer werden in den Scheunen erschossen, die Frauen und Kinder bei lebendigem Leib in der Kirche verbrannt.

Bei ihrem Rückzug Anfang September verbreiten die deutschen Truppen in der Provinz Lüttich Angst und Schrecken. Am 6. September findet in Hody ein Massaker statt. Ein Zeuge erinnert sich: Am Tag vor der Befreiung (7. September) wurde Gerüchten zufolge ein deutsches Fahrzeug, das von Ouffet nach Hody unterwegs war, von patrouillierenden Widerstandskämpfern aus dem Ourthe-Tal beschossen. Anscheinend wurden zwei deutsche Offiziere getötet und zurückgelassen, der Lächerlichkeit preisgegeben. Als die beiden von ihrer Truppe gefunden wurden, wurde im nahegelegenen Hody Vergeltung geübt. Tatsächlich erschießen Mitglieder der SS-Division „Das Reich“ 15 Zivilisten, legen Feuer und sorgen für Chaos und Zerstörung.
Am selben Tag, zwischen 9 und 15 Uhr, verübt eine Einheit der Wehrmacht auf dem Gebiet der Gemeinde Forêt (Trooz), nahe dem Château de Forêt und dem Bauernhof Labeye - ein besonders abscheuliches Kriegsverbrechen. Kämpfer der Résistance-Gruppierung „Armée Secrète“ - gegründet in London, mit Unterstützung der belgischen Regierung - die sich im Kampf ergeben hatten, werden ebenso wie Mitglieder des Roten Kreuzes ermordet. Nach dem Massaker übergießen die deutschen Truppen die Leichen mit Benzin und zünden sie an, ebenso wie das Château de Forêt und den Bauernhof. Die Gesamtbilanz: 5 tote Kämpfer am 5. September, 33 am 6. September, 13 Tote nach Kapitulation, 65 Gefangene (23 davon sterben beim Gemetzel auf der Staumauer der Île Monsin, weitere während der Deportation) - insgesamt mindestens 74 Tote.

In den Tälern von Ourthe und Amel besetzen amerikanische Soldaten am 9. September die Brücke von Aywaille und errichten einen kleinen Brückenkopf. Ihnen gegenüber steht die deutsche Panzerdivision „Das Reich“, die zwischen Juni und August den Tod unzähliger französischer Zivilisten verschuldet hatte. Die Deutschen nutzen das Dorf Harzé und das dort gelegene Schloss als Zwischenstopp. Ein Großteil der Bevölkerung flieht aus dem Dorf. Als die Nacht hereinbricht, dringt die SS in die Häuser ein und nimmt 41 männliche Geiseln. Zehn von ihnen werden sofort exekutiert. Die ganze Nacht lang müssen die eingeschlossenen Geiseln den Außengeräuschen lauschen, Maschinengewehrschüssen und Artillerie-Feuern. Am frühen Morgen steigt Rauch zum Himmel auf. Die SS zieht sich zurück. Vorher jedoch entführt sie sieben junge Mädchen und postiert sie als lebende Schutzschilde auf den deutschen Fahrzeugen. Sollten die Widerstandskämpfer den Rückzug behindern, erschießen sie die Mädchen. Die Amerikaner jedoch rücken zum Knotenpunkt bei Werbomont vor. An der Schule wachen nur noch zwei junge SS-Männer über die Geiseln, die in einer Blitzaktion durch die Amerikaner befreit werden. Nachmittags wird gefeiert, denn das Schlimmste konnte verhindert werden.

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